Nov 09

Der Herbst hat uns mit wonnig warmen Tagen verwöhnt und doch grassiert wieder ein garstiger Virus. Hat man sich angesteckt, wird man monatlich an einem ganz besonderen Fieber erkranken: Mikrofieber. Am vergangenen Freitag trafen sich alle Infizierten, um die 18. Mikrofieber-Veranstaltung im Schaufenster des nt zu zelebrieren.

Das Schaufenster ist seit Oktober der ehemalige Riff-Club des Neuen Theaters, Ort des Schauspielstudios und der unkonventionellen Formate des Hauses. Auch Mikrofieber soll weiterhin dort stattfinden, auch wenn es wie am Freitag bedeutet, mindestens 50 Leute wieder nach Hause zu schicken, da der Raum nicht mehr Platz hergibt.

Weiterlesen »

Nov 02

Ein Erbeben auf Java zerstörte 2006 weite Teile des südlichen Stadtgebiets von Jogjakarta. Auch die Hochschule für Kunst und Musk ‘ISI Jogja’ war stark betroffen. Für mich stellte sich nun also die Frage: Was fange ich mit meiner freien Zeit in Indonesien an?

Als erstes kaufte ich mir ein Motorrad und groovte mich langsam mit dem unberechenbaren Rhythmus des indonesischen Verkehrs ein. Kurz darauf gehörte ich selbst zu einem der hirnrissigsten Kamikaze-Fahrern des Inselarchipels und nahm mir eines Tages vor, mit meiner Maschine die 700 km von Jogjakarta nach Bali zu fahren. Erwarten würden mich zwei Freunde, die ebenfalls ein Stipendium bekommen hatten. Nach 16 Stunden non-stop Motorrad fahren, einigen Nahtoderfahrungen und mit einem wunden Hinterteil kam ich an Javas Ostküste an und genoss die entspannte Überfahrt mit einer gebrechlichen Fähre auf Bali.

Weiterlesen »

Okt 20

In meinem letzten Blog erzählte ich euch von meiner Studienreise nach Bali. Im Musikinstitut wird es solch eine Möglichkeit höchst-wahrscheinlich nie wieder geben, dennoch gibt es einen anderen Weg, im Rahmen des Studiums in weit entfernte Länder zu reisen. Da ich auf alle Fälle wieder nach Indonesien wollte, sprach ich mit meiner Dozentin, die mir dann empfahl, mich einfach mal für ein Stipendium zu bewerben. Sie selbst hatte 12 Monate in Indonesien verbracht, ihr Studium wurde von der indonesischen Regierung finanziert. 

Ich versuchte also mein Glück und bewarb mich für das so genannte ‘DARMASISWA’-Stipendium. Schon ein paar Tage später bekam ich eine Zusage und einen Merkzettel, was nun alles zu erledigen sei. Ich hatte gar nicht so sehr damit gerechnet. In der Zusage stand, dass ich ein Jahr lang Musikethnologie an der Kunsthochschule in Jogjakarta auf Java studieren könne. Was? Wo ist das denn? Und wie spricht man das aus?

Weiterlesen »

Okt 18

Heute mache ich einen rund 12000 km großen Sprung auf die wunderschöne Insel Bali. Im Rahmen des Studiums konnte ich diese tropische Insel 2006 für insgesamt drei Wochen besuchen. Eine junge Dozentin am Musikinstitut hatte damals insgesamt 15 Studenten die Möglichkeit gegeben, in einem Vorbereitungsseminar Land, Leute, allgemeine Feldforschungsmethoden und indonesienspezifische musikethnologische Forschung kennen zu lernen. Das große Ziel war, am Ende des Wintersemesters auf die bekannteste Insel Indonesiens zu fliegen. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, so dass jeder Student nur einen kleinen finanziellen Beitrag leisten musste.

Nachdem wir also ein Semester lang Referate über die Balinesische/Indonesische Geschichte, teilnehmende Beobachtung, Toursimusforschung und Gamelan hielten, fuhren wir am Anfang der Semesterferien von Halle mit dem ICE nach Frankfurt und flogen nach Bangkok. Dort hatten wir einen zweitägigen Zwischenstopp und besuchten verschiedene Tempel und eine Universität. Schon dort bekamen wir einen Vorgeschmack auf tropische Temperaturen und das Chaos asiatischen Straßenverkehrs. Nach einem weiteren kurzen Aufenthalt in Brunei landeten wir am Vormittag in der Hauptstadt Denpasar, wo wir von Freunden unserer Dozentin abgeholt wurden. Diese brachten uns in unserer Hotel in der Stadt Ubud. Schon unser erster Eindruck war, gerade nach dem Gewusel von Bangkok eindeutig positiv. Es war so schön ruhig und grün! Von unseren Zimmern aus hatten wir einen tollen Ausblick auf weite Reisfelder, die direkt hinter dem Hotel angelegt waren.

Weiterlesen »

Okt 13

Das letzte Mal in meinem Studium schaue ich mir den Stundenplan des Wintersemesters an und denke sogleich zurück an die Seminare, die ich bisher in der Musikwissenschaft belegt habe. Dabei fällt mir wieder auf, welch vielfältige Möglichkeiten mir das Fach bot, um mich mit interkulturellen Fragestellungen auseinander zu setzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Seminar ‘Musik & Tourismus’. Von Beginn an war eine Studienfahrt zu einem Folklorefestival in Sachsen eingeplant. Im Vorfeld erarbeiteten wir uns mithilfe von überwiegend anthropologischer Grundlagenliteratur zum Thema Tourismus bestimmte Fragestellungen und erstellten Fragebögen für Besucher und Teilnehmer dieses Festes.

Weiterlesen »

Sep 30

Eine Inszenierung von Jo Fabian, die über die üblichen Darstellungen im Theater hinausgeht. Zeit verschwimmt, Handlung purzelt durcheinander, Sprachen vermischen sich und alle Sinne werden angesprochen.

Der geschichtliche Hintergrund von ?Die Weber? beruht auf dem dreitägigen Aufstand im Eulengebirge in Schlesien von 1844. Die Industrialisierung brachte schlechtere Arbeits- und somit Lebensverhältnisse in viele handwerkliche Berufe. Der Protest der Weber war eigentlich ein friedlich angelegter, kein Mensch sollte zu schaden kommen, es sollte nur auf die Bedingungen aufmerksam gemacht werden, dennoch endet es in einer gewaltvollen Revolte. Gehart Hauptmann besuchte 50 Jahre nach dem Aufstand das Eulengebirge und dessen Bewohner, die immer noch im Elend hausten und las Fachliteratur. Erst dann schrieb er sein Drama in 5 Akten im schlesischen Dialekt. Weil es zu der Zeit immer noch keine adäquate Lösung für die Probleme der Arbeiter gab, erhielt das Stück erstmal Aufführungsverbot, doch einige Jahre später entwickelte es sich zu einem Kassenschlager.

Weiterlesen »

Sep 18

Bis vor kurzem spielte ich noch in der Uni-Bigband Halle. Als ich das erste Mal ein Konzert mit neuem Bassisten hörte, drückte mir Ronny Boer, der Gitarrist der Band, seine selbst produzierte CD in die Hand bat mich um meine Meinung.

Ich war ziemlich begeistert von dem, was ich hörte. In mühevoller Heimarbeit hat Ronny im Looping-Verfahren Songs komponiert. Mittlerweile tritt er auch mit diesen Songs auf und lässt auf der Bühne kleine instrumentale Kunstwerke aufleben. Er schafft es, seine Gitarre zum Schlagzeug, Bass oder Keyboard zu machen.

Weiterlesen »

Sep 10

Heute möchte ich eine Kneipe vorstellen, die ich seit dem letzten Jahr regelmäßig besuche. Ich kann mich erinnern, dass ich mich am Anfang meines Studiums in den lieblosen Vorgarten verirrt habe, um eine Tasse Kaffe zu trinken. Ich kam mit einem Freund vom Ethnologie-Institut und er schlug vor, sich in dieses unscheinbare Lokal in der Bernburger Straße zu setzen. Wir wurden unfreundlich bedient, der Straßenlärm nervte und der Garten war eher ein rumpeliger Sandkasten.

Im letzten Jahr war es wieder der Zufall, der mich genau in dorthin brachte. Der Schlagzeuger der Uni-Bigband Halle meinte, er würde dort auftreten und ich solle doch vorbei kommen. Viel erwartet habe ich nach meinem ersten und bis zu diesem Zeitpunkt letzten Besuch nicht.

Weiterlesen »

Aug 30

In den Ferien hat man ja Zeit, mal ein paar Ausflüge zu machen. Neulich war ich mit ein paar Freunden in Naumburg an der Saale zu der Landesausstellung Sachsen-Anhalts: ?Der Naumburger Meister ? Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen?, die unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy steht.

Der Titel hört sich erstmal etwas schwammig an; im Grunde genommen geht es um die Entwicklung der Architektur und der Steinmetzkunst, die in den 1220er Jahren von Frankreich nach Deutschland getragen wurde. Doch auch die geistige Entwicklung, der technologische Fortschritt und das hochmittelalterliche Weltbild spielen dabei eine große Rolle. Der Naumburger Meister ist an sich keine Einzelperson. Es handelt sich eher um einen Werkstattkreis, von dem wohl einige Leute in Reims/Frankreich ausgebildet wurden und auf dem Weg nach Osten die Kathedralbauten in Metz, Mainz, Merseburg, Meißen und natürlich in Naumburg beeinflussten. Ein Wechsel zu feineren Bildhauerarbeiten und auch profanen Darstellungen ist zu beobachten. Das bekannteste Beispiel wird Markgräfin Uta sein ? eine der Stifterfiguren im Inneren des St. Peter und Paul Doms, welcher nach einem Brand Anfang des 13. Jahrhunderts neu gestaltet wurde.

Weiterlesen »

Aug 20

Das Kontakteknüpfen in einer neuen Stadt kann manchmal etwas dauern. Da fällt mir gleich ein, dass Eva Briegel – Sängerin von Juli – in einem Interview der neuen Ausgabe von Zeit Campus sagt, sie hätte in ihrem ersten (und damit auch letzten) Semester in Heidelberg keinen Job, keine WG und keinen Anschluss gefunden.

Gut, vielleicht hat sie sich damals auch nicht richtig angestrengt und ist jedes Wochenende zur Bandprobe nach Gießen gefahren, aber sie hatte immerhin schon ihre Band. Als es mit der richtig losging, brach sie komplett ihr Studium ab.

Weiterlesen »