Zwei Meter über dem Boden öffnen sich die Türen eines überdimensionalen Kasperletheaters. Heraus schaut der König von Athen und einige seiner oberen Untertanen in unsagbar überladenen und fast schon hämischen, barockartigen Kostümen. Es scheint sich um eine Verlobung zu handeln, die die Braut nicht einhalten möchte und lieber den Tod wählt, als den ungeliebten Mann als Gatten zu nehmen. Heimlich werden Fluchtpläne der Liebenden geschlossen.
Szenenwechsel: Eine absurd eitle und naive Theatertruppe Athens möchte eine neues Stück einüben: den Sommernachtstraum. Die Probe wird in den Wald verlegt, da es sich um ein gewaltvolles bis liebliches Märchenstück mit Elfen und Waldgeistern handelt. Urplötzlich scheinen sich die Figuren zu verselbstständigen und ihr Eigenleben in dem als schwarzes Rondell aufgebauten Wald zu entwickeln. Ein perfektes Ineinanderweben der verschiedenen Ebenen des gesamten Stückes entwickelt sich durch das Verwirrspiel der zwei sich liebenden Paare auf der Flucht, der Theatertruppe und der Waldbewohner.
Insgesamt handelt es sich bei dem Stück um eine leichte, märchenhafte Komödie in der Art Shakespeares mit seinen Verwirrungen und Intrigen, bei denen aber stets die Liebe das letzte Wort hat. Die Inszenierung von Christoph Werner mit vulgären Darstellungen und diversen Überzogenheiten nahm etwas von dieser Leichtigkeit. Trotz der guten Leistung der Schauspieler (vor allem die Handhabung der Torsopuppen kam echt gut rüber), war es mir allerdings nicht immer möglich, die verschiedenen Ebenen der Darstellung zu begreifen. Vermutlich sollte man das Stück vorher lesen.
Von dem Bühnenbild und den Kostümen war ich leider etwas enttäuscht. Ich habe mal eine wunderschöne Waldszenerie des Sommernachttraumes aus verschiedenen Gazestoffen gesehen, wahrscheinlich bin ich deshalb mit anderen Erwartungen herangegangen. Doch die Freiluftatmosphäre in der historischen Moritzburg passte hervorragend. Trotz eines kleinen Regenschauers bewirkte der Innenhof der frühneuzeitlichen Burg eine Freiheit, die gut zum Ort des Geschehens passte, die aber wiederum auch einen Gegensatz zu dem Inhalt darstellte.
Nach Beendigung des Stückes wurde Christoph Werner für seine Arbeit der letzten Jahre als Intendant des neuen theaters Halle gewürdigt und verabschiedet. Ein Buch über 6 Jahre Kulturinsel ist im Hasenverlag erschienen.
Die Kooperationsinszenierung des neuen theaters, des Puppentheaters Halle und dem tjg Dresden wird in Halle noch heute und morgen um 18 Uhr im Hof der Moritzburg gezeigt, sowie am 31. Mai und 1., 3. und 4. Juni um 19.30 Uhr. Wer das Stück lieber in Dresden sehen möchte, ist in den Stallhof am Dresdner Schloss am 10.-13., 16.-18. und 23.-25. Juni für 19.30 Uhr eingeladen.
Auf bald, Eure Sabine
(Sabine Stoffner, Studienbotschafter der MLU, www.ich-will-wissen.de)
